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Medieninformation 13.7.26
Medienberichterstattung bei A26
Warum es sich empfiehlt, alte Zeitungen zu lesen
Es heißt ja, nichts sei so uninteressant wie eine Zeitung von gestern. Das mag auf Zeitungen von gestern tatsächlich zutreffen, nicht aber auf Zeitungen von vor 15 oder 20 Jahren. Die Zukunftsprognosen der Vergangenheit mit den aktuellen Gegebenheiten zu vergleichen, ist höchst spannend.
Man macht dabei auch die Entdeckung, dass der journalistische Mut, sich im Sinne der Wahrheitsfindung auch einmal dem Mantra der Politik entgegenzustellen, leider stark im Schwinden begriffen ist. Gibt es überhaupt noch unabhängige Medien und Journalist:innen?
Wir sind dieser Frage am Beispiel der Berichterstattung über den sog. Linzer Westring in den OÖN nachgegangen. Gleich vorweg: das Ergebnis ist ernüchternd.
Während in der Vergangenheit große Artikel (s. Anhang) mit detaillierten Grafiken und Tabellen gebracht und die neuesten Entwicklungen der Verkehrszahlen veröffentlicht wurden, ist es seit der (erschlichenen) Bewilligung im Jahr 2014 recht still um aktuelle Zahlen und Entwicklungen geworden.
Während Redakteure wie Erhard Gstöttner in der Vergangenheit den Argumenten der Gegner:innen breiten Raum einräumten, wird heute lediglich pauschal berichtet, dass es Widerstand gibt – ohne detaillierter darauf einzugehen, warum.
Der Chefredakteur, Gerald Mandlbauer schrieb am 30. 9. 2010 in seinem Leitartikel: „Über diesen Westring ist lang genug gestritten, verhandelt und gelogen worden, …“ und riet zur Redimensionierung auf das ursprüngliche Bauvorhaben – eine Straße anstelle einer „gewaltigen Autobahn mit überdimensionierten Radien, sechs Fahrbahnen, zwei Röhren, einer teuren Westbrücken-Anbindung, weil das Land den Bund als Finanzier festnageln wollte. Deshalb musste das XXL-Autobahnformat her. Nur eine solche fällt in Bundeskompetenz. Nebeneffekt: Auf diese Weise ließe sich auch eine Umweltprüfung unter Rudolf Anschober vermeiden. Und somit ist das Vorhaben gewachsen und gewachsen.“ – und eben nicht aus der Notwendigkeit wegen (falsch prognostizierter) Verkehrszunahmen! So klare Worte vermisst man seither.
Dass die seinerzeit prognostizierten Zahlen krachend verfehlt wurden, wird verschwiegen. Politiker argumentieren weiterhin mit 15 Jahre alten Zahlen und versprechen die Verhinderung eines künftigen Verkehrskollapses, der längst eingetreten sein müsste, weil die Fertigstellung des Westrings sich ja bereits um Jahrzehnte verschoben hat.
Keine Zeitung würde es sich erlauben, jahrzehntelang dieselbe Wetterprognose oder denselben Aktienkurs abzudrucken. Im Zusammenhang mit der Verkehrsentwicklung in Linz rund um die A26 macht man jedoch genau das!
Unseres Erachtens ist es grob fahrlässig, wenn Medien – nicht nur die OÖN – wesentliche aktuelle Fakten über das immerhin milliardenschwere größte Verkehrsprojekt in der Geschichte von Linz einfach unter den Tisch fallen lassen, bzw. sich nicht die Mühe machen, hier genauer hinzusehen und den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Politikern zu überprüfen.
Auch im jüngsten Artikel über den Spatenstich zum zweiten Bauabschnitt des Westrings (OÖN vom 4. Juli 2026) dürfen die beteiligten Politiker abermals ihrer Freude über diese „intelligente Verkehrslösung, die Autos unter die Erde bringt“ (wo sie allerdings nur minutenlang verweilen werden, um dann wieder heraus zu kommen und weiteren Stau zu verursachen, Anm.) Ausdruck verleihen und behaupten, dass „öffentlicher und (motorisierter; Anm Verkehrswende) Individualverkehr bei der A26 gemeinsam gedacht und einander sinnvoll ergänzen würden“. Beispiel gefällig? Leider nein.
Wie sollen Leser und Leserinnen sich eine Meinung bilden können, wenn ihnen die dafür nötigen Hintergrundinformationen von den Medien nicht (mehr) geliefert werden?
Für Nachfragen: Gabriele Müller, 0699 11891206
Beilagen:
- Leitartikel Mandlbauer OÖN 2010
- 5 OÖN Artikel zur A26 2007-2009
- Vergleich des Verkehrs in Linz zur A26 - Prognose 2007 und tatsächlicher Verkehr 2025