MEDIENINFORMATION
An
Philipp Hirsch
OÖ Nachrichten
Linz, 24.2.2026
Offener Brief
Sehr geehrter Herr Hirsch!
Herzlichen Dank für Ihr erhellendes Interview im OÖN TV zum Thema „200.000 Euro für einen Meter A26“. Zurecht wird hier das Attribut „wahnsinnig“ für die hohen Kosten der A26, die Sie selbst an anderer Stelle als „anachronistisch“ (überholt) bezeichnet haben, verwendet.
Wir freuen uns, dass Sie viele unserer Argumente zum enormen finanziellen und technischen Aufwand, der in keinem Verhältnis zu einem erkennbaren Nutzen steht, so klar darlegen.
Was auch Sie jedoch immer wieder verschweigen, ist, dass hier mit 12 bis 15 Jahre alten und absolut verfehlten Verkehrszahlen operiert wird und aktuelle Entwicklungen vollkommen ignoriert werden. In unserer schnelllebigen Gesellschaft würde man in keinem anderen Diskussionsfeld eine Argumentation auf derart veralteten Annahmen aufbauen!
Auf Grund der aktuellen Verkehrsentwicklung besteht keine Notwendigkeit mehr für diese überholte Fehlplanung. Und in Zukunft noch weniger! Denn, wie die OÖN in ihrer Ausgabe vom 23. Februar berichten, steigt der Anteil jener Personen, die nur selten oder gar nie einen PKW benützen, kontinuierlich – besonders bei den Jüngeren.
Warum wird von Politiker:innen und auch Journalist:innen eigentlich nie ein Ausstiegsszenario angedacht? Zumindest die Stadt Linz könnte ohne Gesichtsverlust ihre Zuzahlung zurückziehen. Das Argument der wahnsinnig hohen Kosten, die sich unsere Stadt, die selbst ein Budgetdefizit von über einer Milliarde hat, nicht leisten kann, ist gewichtig. Auch können sich die heute Verantwortlichen mit Fug und Recht darauf berufen, dass sie diese Fehlplanung von ihren Vorvorgänger:innen geerbt haben und nun eben eine zukunftsorientierte Mobilitätswende vollziehen. Die Linzerinnen und Linzer würden das verstehen und sicher mehrheitlich unterstützen, wenn sie die richtigen Informationen hätten. Sie wurden leider bisher nicht gefragt, bzw. wurden die beiden Vorstöße zu einer Volksbefragung mit teilweise fadenscheinigen Argumenten abgeschmettert.
Auch alle österreichischen Steuerzahler:innen würden sich freuen, wenn durch die Einstellung solcher Autobahnprojekte Österreich seine Klimaziele einhalten könnte und Strafzahlungen in Milliardenhöhe abgewendet würden.
Was ebenfalls nie erwähnt wird, sind die 500.000 Tonnen CO2, die durch Errichtung, Betrieb und zusätzlich induzierten Verkehr durch die A26 in den kommenden 25 Jahren entstehen. Das ist das Doppelte dessen, das der gesamte Verkehr in Linz jährlich erzeugt! In den Bewilligungsunterlagen heißt es dazu nur lapidar „Es kommt durch die A26 zu keiner relevanten Veränderung der klimawirksamen Emissionen in Linz“. Wirklich nicht?
Das stimmt ebenso wenig wie die Behauptung, dass die Linzer Innenstadt und sonstige Straßen durch die A26 massiv entlastet werden. In den UVP-Unterlagen steht das genaue Gegenteil! Warum zeigt das außer uns niemand auf? Warum stellen die Medien nicht endlich die relevanten Fragen:
Wir freuen uns auf Ihre künftigen Artikel zum Thema, die hoffentlich wieder dazu beitragen werden, dass die Linzer und Linzerinnen noch mehr Faktenwissen zu diesem anachronistischen Vorhaben erhalten.
Mit freundlichen Grüßen,
f. d. Initiative Verkehrswende jetzt!
Gabriele Müller