INITIATIVE VERKEHRSWENDE JETZT!
13.1.26
Innkreisbahn:
Elektrifizierung der Strecke auch zur Beschleunigung nutzen!
Grundsätzlich kann man als Initiative, die sich seit zehn Jahren für
die Verkehrswende in Oberösterreich und damit vor allem für eine
Dekarbonisierung des Verkehrs einsetzt, nicht gegen eine
Elektrifizierung einer Bahnstrecke sein. Dennoch dürfte bei diesem
Projekt nicht die notwendige Sorgfalt an den Tag gelegt worden sein,
wenn man jetzt ohne Wenn und Aber die bestehende, rund 150 Jahre alte
und vergleichsweise langsame Trasse hernehmen und - ohne sonstige
attraktivierenden Maßnahmen - nur mit einer Oberleitung versehen will.
Explizit ist auf Seite 8 des Technischen Berichts festgehalten, dass es
zu keiner Veränderung der bestehenden Trassierung kommt und auch die
VzG-Geschwindigkeit (d.h. jene Geschwindigkeit, wie schnell gefahren
werden darf) unverändert bleiben. Das heißt, es bleibt die gleiche
Kurvigkeit und die gleiche „Langsamkeit" wie in den letzten 150 Jahren
erhalten. Die Geschwindigkeit der Strecke variiert laut den
Projektunterlagen zwischen 60 und 120 km/h. Wenn man nur einen Stopp in
Ried macht, dann kommt man heute auf 85 km/h.
Völlig auf der Strecke bleibt dabei, dass diese Strecke zwischen Linz
und München über Ried und Braunau schon heute schneller ist als die
bestehende Bahnstrecke über Salzburg und durch die Ausbaumaßnahmen auf
der deutschen Seite von München bis nach Mühldorf aktuell schon
Maßnahmen gesetzt werden, dass die direkte Bahnverbindung von München
nach Linz über Braunau deutlich beschleunigt wird. Der deutsche Teil
dieser Bahnverbindung Linz- München macht ca. die Hälfte der Strecke
aus.
Alle Maßnahmen, die hier neben der Elektrifizierung zu einer
Beschleunigung der Strecke führen, und die mit vergleichsweise geringem
Aufwand schon sehr viel erreichen können, wären geeignet, die Gedanken
auf eine Anfang 2024 präsentierte, komplett neue Bahnstrecke mitten
durch den Kobernaußerwald von Wels nach München wieder ad acta legen
zu können. Das wäre sowohl aus gesamtösterreichischer Sicht, wo es
noch eine Vielzahl an langsamen Hauptstrecken im österreichischen
Bahnnetz gibt als auch bei Berücksichtigung des ökologischen Rucksacks
einer derartigen Neubaustrecke absolut notwendig.
Wenn man die Innkreisbahn (parallel zum begonnenen Ausbau in
Deutschland) so ausbaut, dass man statt 3 Stunden nur 2 Stunden von Linz
nach München fahren kann, dann ist schon viel erreicht. Da braucht es
dann keine noch schnellere Bahnstrecke mehr, die nur mit der massiven
Zerstörung des Kobernaußerwaldes möglich sein wird. Wenn also nach
der Koralmbahn wieder 100 Jahre vergehen, bis eine komplett neue
Bahnstrecke in Österreich errichtet wird, fällt Niemandem eine Zacke
aus der Krone. Bevor in Österreich neue Schneisen für
Hochgeschwindigkeitsstrecken mit über 200 km/h geschlagen werden,
braucht es dringend ein Upgrade der extrem langsamen Haupt-Strecken, um
dort eine Geschwindigkeit von mindestens Tempo 100, also die Hälfte
(!), zu erreichen.
In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es mehrere Varianten
für die Beschleunigung der Bahnstrecke Neumarkt/Kallham - Braunau,
unter anderem auch eine Variante mit einem bestandsnahen Ausbau für
eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km h. Um diese Varianten ist es
komplett ruhig geworden.
Es ist offensichtlich, dass man diese nicht herausholen will, weil sie
eine potenzielle Gefahr für das überzogene Projekt Neue Innkreisbahn
darstellen. In so eine Situation kann man nur kommen, wenn ein
Monopolist hier am Werken ist, der von Niemandem zu einer Suche nach der
optimalen Variante auf dieser Bahnachse aufgefordert wird.
Nachdem es klar ist, dass eine Elektrifizierung dieser Strecke für
Jahrzehnte jegliche sonstigen Ausbaumaßnahmen unterbinden wird, fordern
wir die kurzfristigste Aktualisierung der damaligen Ausbauvarianten, um
heute einen aktuellen Stand der möglichen Attraktivierungen dieser
Bahnstrecke zu haben.
Ziel müsste es sein, diese Bahnstrecke so schnell zu machen, dass sie
v.a. auch innerhalb von Oberösterreich eine echte Alternative zum
Autoverkehr darstellen kann, so wie es inzwischen auf der Weststrecke
zwischen Linz und Wien der Fall ist.
Die in den Projektunterlagen genannten Projektziele ökologische
Nachhaltigkeit, Beitrag zum Klimaschutz durch Reduktion der
Treibhausgase mittels stärkerer Verlagerung des motorisierten
Individualverkehrs auf die umweltfreundliche Bahn werden nicht nur durch
die Elektrifizierung erreicht sondern vor allem auch durch eine
Beschleunigung der Strecke, um eine viel größere Zahl an Fahrgästen
vom Auto in die Bahn zu bringen. Um diese Frage beantworten zu können,
ist der geplante Zeitplan für die Umsetzung der Elektrifizierung um ein
Jahr nach hinten zu verschieben.
Angesichts des Ausblicks, dass diese Strecke bald noch viel mehr
darstellen wird können als eine unter Strom fahrende Nebenbahn zwischen
Neumarkt/Kallham und Braunau, sollte diese Verschiebung vertretbar sein.
In Oberösterreich gibt es genug andere Bahnstrecken, die einen
beschleunigten Ausbau bzw. eine vorgezogene Elektrifizierung, wie zum
Beispiel die Mühlkreisbahn, vertragen würden.
Für Nachfragen:
Rudolf Schober, Tel. 0677 63764099