MEDIENINFORMATION
Linz,
2.3.2026
Betrifft: A26-Autobahn in Linz
Offener Brief der
Initiative Verkehrswende jetzt! an BM Hanke
Sehr geehrter Herr Bundesminister Hanke!
Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 19. Jänner 2026!
Sie argumentieren für die A26 in Linz, tun aber so, als würden wir null Ahnung von diesem Projekt haben.
Warum gehen Sie auf keines unserer Argumente in den bisherigen Schreiben ein?
Weil Sie offensichtlich wissen, dass Sie beim Ausweichen und Märchenerzählen bleiben müssen, weil wenn Sie wahrheitsgemäße Aussagen treffen, das Lügengerüst A26 ziemlich schnell zusammenstürzen
würde.
Deswegen haben Sie sich und die ASFINAG auf diese Linie eingeschossen, dass Sie bis zuletzt versuchen werden, sich hier mit Ausreden herauszuwinden.
Wir sagen aber mit aller Deutlichkeit, dass wir das nie akzeptieren werden, auch nicht, wenn die ASFINAG im Sommer den Freinbergtunnel zu bauen anfangen sollte. Die ASFINAG erzählt Ihnen, der
Bevölkerung und uns nicht die Wahrheit. Und weil das so ist, werden wir mit aller Energie versuchen, dieses auf Lügen aufgebaute Straßenmonster zu verhindern.
Und es werden auch all jene, die glauben, dass das Verteidigen dieses Steinzeitprojektes mit gebetsmühlenartigen Entlastungsargumenten, die in den UVP-Unterlagen nicht enthalten sind, sie nicht
treffen kann, trotzdem dafür die Verantwortung tragen müssen.
Herr BM Hanke, Sie erzählen uns Märchen bzw. wollen uns eine Projektentwicklung mit einem äußert niedrigen und damit unzulässigen Wahrheitswert verkaufen. Wir brauchen keine Politik, die uns und
die Bevölkerung zum Narren hält.
Sie schreiben uns schon zum zweiten Mal eine Antwort, wofür wir uns grundsätzlich bedanken.
Sie gehen aber bisher mit keinem Wort auf unsere Argumente ein. Ungleich konstruktiver wäre es, wenn man auf Augenhöhe die Für und Wider dieses Projektes besprechen könnte.
Das scheint aber nicht möglich, weil Sie offensichtlich als Übernehmer eines Uraltprojektes die massiven Argumente, die gegen dieses Projekt sprechen - und das sind vor allem die massiv
abweichenden Verkehrsentwicklungen zur Bewilligung - nicht hören wollen.
Damit wir hier eine gewisse Ordnung hineinbringen, dürfen wir unsere Antwort auf Ihr Schreiben vom 19. Jänner 2026 strukturieren und zu jedem Absatz gesondert Stellung nehmen.
Nach Ihrem Dank auf unseren letzten offenen Brief vom 29.9.2025 schreiben Sie vier Absätze.
Unsere Antwort auf Absatz 1
Ja, dies Projekt wurde ausführlich geprüft, wobei ausführlich vor allem steuergeldintensiv heißt. Aber immer unter der politischen Vorgabe, dass es mit einer Bewilligung enden muss. Rückwirkend
kann man heute sagen, dass die angesetzten Steigerungsraten schon damals fernab der damals stattfindenden Verkehrsentwicklungen lagen. Und wenn das damals noch der Stand der Technik war, dann ist
das ein Armutszeichen für die Sachverständigen. Es war aber nicht Stand der Technik, sondern eine Festlegung, die man unmittelbar nicht widerlegen konnte, weil es ja die Zukunft betraf.
Jetzt 14 Jahre später, also auf Basis einer faktenbasierten Evaluierung, kann man festhalten, dass die angenommenen Steigerungsraten in etwa um den Faktor 2- 3 höher waren als die tatsächlichen
Steigerungsraten zu dieser Zeit im Großraum Linz. Für einige Straßen wäre sogar die Steigerungsrate NULL (!) oder sogar MINUS (B127) richtig gewesen.
Es sind fast alle Prognosen krachend verfehlt worden. Die „sehr ausführliche Beurteilung“ hat also diesem Milliardengrab nichts geholfen.
Diese unglaubwürdigen Prognosen waren aber wahrscheinlich auch politisch so gewollt, damit man mit diesen Fantasiezahlen Angstmache betreiben und das damals noch millionenschwere, jetzt
milliardenschwere Steinzeitprojekt A 26 irgendwie begründen kann.
Sie haben als Bundesminister alle Freiheiten zu sagen, dass die damaligen Minister und Fachleute grobe Fehler gemacht haben. Sie tun es aber nicht! Zumindest bis jetzt!
Unsere Antwort auf Absatz 2
Sg. Herr BM Hanke, Sie reden in ihrem Antwortschreiben vom 19. Jänner 2026 bei den Verkehrszahlen 2032 mit und ohne A26 von ausschließlich fiktiven, nie eingetretenen Verkehrszahlen.
Dieser „Hanke - ASFINAG-Märchenbereich“ ist in der beigelegten Grafik jener rechts oben
(Roter Kreis).
Sie argumentieren für „ihre nachhaltige Verkehrsentlastung“ mit jener minimalen Reduktion (grüner Pfeil), die die Differenz der prognostizierten Verkehrsmengen mit und ohne A26 darstellt. Dieser
grüne Pfeil ist aber jetzt 15 Jahre nach der UVP-Einreichung ausschließlich Fake News, also vollkommen falsche Zahlen, Zahlen aus einer Scheinwelt, die die ASFINAG und die Politik in den letzten
Jahren aufgebaut hat und die Schnee von gestern sind, wo jede wiederholte Verteidigung dieser Unwahrheit inzwischen eine rechtlich zu verfolgende Handlung darstellt.
Die oberhalb der 100 % Linie (horizontale Achse) dargestellten Zahlen und Kurven sind ausschließlich jene, die in den UVP-Unterlagen 2012 enthalten sind.
Und dann enthält unsere Grafik auch die tatsächlich eingetretene Entwicklung der Verkehrszahlen in den letzten 15 Jahren mit einer Bandbreite als Mittel von mehreren Hauptverkehrsstraßen im
Nordwesten von Linz (Blauer Bereich).
Und diese beiden Bereiche (Fake und Wahrheit) liegen meilenweit voneinander entfernt, also wie Tag und Nacht!
Wenn Sie glauben, Sie können uns und der Bevölkerung vollkommen verfehlte Prognosen als Wahrheit verkaufen, dann werden Sie hier nicht durchkommen!
Es ist einfach nur unglaublich, wenn Sie Prognosen, die vollkommen daneben liegen, mit Schönreden verteidigen wollen.
Wenn man als Politiker die Öffentlichkeit bewusst zum Narren hält, dann kann es nur in die Richtung gehen, was die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes Frau Irmgard Griss schon 2017
eingefordert hat: Es muss eine persönliche Haftung für Politiker geben, die hier derart massiv von der Wahrheit abweichende Informationen der Bevölkerung als Argumentation für ein
Milliardenprojekt vorlegen.
Herr BM Hanke, es ist nicht Ihre Aufgabe, geerbte Steinzeitprojekte mit unlauteren Mitteln zu verteidigen. Vielmehr müssen Sie Maßnahmen im Verkehrsbereich setzen (und das hat die SPÖ
unmissverständlich vor der NR-Wahl 2024 so auch angekündigt), die innovativ und nachhaltig sind. Und da ist die A26 das absolute Gegenteil davon.
Unsere Antwort auf Absatz 3
„Linz wird nachhaltig vom Verkehr entlastet“
Zum wiederholten Mal argumentieren Sie mit Aussagen, die in den Bewilligungsunterlagen nicht enthalten sind. Sondern ausschließlich Wunschvorstellungen sind, die sich die Politik von Anfang an
zur A26 einfallen hat lassen. Und Sie glauben, in dieser Weise weitertun zu können!
Wir wollen von Ihnen nicht hören, dass die von der ASFINAG in der UVP angekündigten massiven Verkehrserhöhungen eine Steigerung der Lebensqualität bringen werden.
Sie wollen unsere Argumentation nicht begreifen und das Aufzeigen der nie eingetretenen Prognosen und der komplett verfehlten seinerzeitigen Projektziele einfach nicht wahrhaben!
Das x-fach versprochene 20.000 Minus an Kfz auf der Nibelungenbrücke (nach Eröffnung der Donautalbrücke) ist nicht ansatzweise die Erfüllung von Prognosen, wenn es nur 7.000 sind!
Sie werden das ja auch nicht als die Erfüllung der Zusage bezeichnen, wenn Sie 6.700 Euro im Monat bekommen, obwohl man Ihnen im Vorfeld des Amtsantritts 19.000 Euro zugesagt hat!
Die ASFINAG hat auf ihrer Homepage jetzt fast ein Jahr lang diese schwachsinnige Zahl von 20.000 Kfz stehen gehabt. Erst nach unseren mehrmaligen Hinweisen hat sie jetzt die Zahl 20.000 entfernt
und durch das Wort „wesentlich“ ersetzt. Das ist die österreichische Lösung, um Lügen zu vertuschen und den Leuten ein massives Scheitern eines Projektes als Erfolg zu verkaufen.
Unsere Antwort auf Absatz 4
Wir reden von den nicht eingetretenen Prognosen nach dem mehrjährigen UVP-Verfahren.
Und nicht davon, was bei diesem UVP-Verfahren in den Jahren 2012-2014 alles unternommen wurde, um dieses Projekt politisch gewollt gegen alle Vernunft durchzuboxen.
Diese massiven Abweichungen zu den Prognosen nach der UVP-Verhandlung können nicht erörtert, sie können nicht von der UVP-Behörde geprüft und sie können von dieser Behörde auch nicht beurteilt
werden, sondern sind in den 11 Jahren danach - also seit 2014 -eingetreten.
Die Behörde muss sich kritisch hinterfragen, warum sie auf Basis dieser falschen und vielfach technisch unmöglichen Zahlen einen Bescheid erstellt hat.
Bei einem (mindestens) 1,2 Milliarden Euro Projekt, dessen Hauptteil jetzt im Jahr 2026 begonnen werden soll, muss es schon mehr sein, als gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass vor fast 15
Jahren alles genau geprüft wurde.
Sie reden nicht davon, dass in den weiteren 12 Jahren überhaupt nichts mehr geprüft wurde und man vollkommen negiert, dass alles anders gekommen ist, wie damals diese umfangreichen Prüfungen
ergeben haben.
Das ist ein Verhalten, das jegliche Glaubwürdigkeit in einer Demokratie mit Füßen tritt.
Wenn zuerst 12 Jahre geplant wird und man sich (offensichtlich vollkommen falsche) Zahlen einfallen lässt und dann wieder 12 Jahre gewartet wird und alles anders gekommen ist, d.h. diese
prognostizierte, abartige Verkehrsexplosion nicht eingetreten ist, dann steht man wieder bei der Stunde Null.
Sehr geehrter Herr Bundesminister, wenn Sie nur einen Funken an Anstand haben, dann nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass all jene, die diese vollkommen falschen Zahlen zu verantworten haben,
massiv auf die Schnauze gefallen sind und dass deshalb hier die klare Konsequenz gezogen werden muss, dass das absolut nicht mehr das Projekt ist, dass uns jahrzehntelang von der Politik und
ASFINAG mit einem komplett anderen Vorzeichen verkauft wurde.
Und weil das so ist, haben Sie nicht mehr das Recht, sich auf einen unter fadenscheinigen Umständen erstellten Bescheid zu berufen und müssen deshalb dieses Projekt zu Grabe tragen.
Sie können es ja noch einmal versuchen, aber bitte nicht mit diesen Märchenzahlen!
Mit freundlichen Grüßen,
Initiative Verkehrswende jetzt!