Presseaussendung vom 24.3.2026

A26 - Was Linz von Bratislava lernen kann

Linz, 24.03.2026

 

MEDIENINFORMATION

 

 

Linz, 24.3.2026

 

 

Was Linz von Bratislava lernen kann

 

So wie hierzulande forcierte auch in der Slowakei die Politik lange Jahre den Ausbau des Straßenverkehrsnetzes für den Autoverkehr. In Hinblick auf den öffentlichen Schienenverkehr gab es statt konkretem Ausbau lediglich viele großspurige Fantasien von U- und S-Bahn-Tunneln, die sich am Ende allesamt als unrealistisch, weil unfinanzierbar erwiesen.

Vor 15 Jahren setzte allerdings in Bratislava ein radikaler Umschwung ein – freilich nicht durch die Befassung der Politiker:innen-Gehirne mit Klimaschutz und Kostenwahrheit, sondern durch den Druck einer Gruppe von beherzten Bürger:innen!

 

Was sich für gelernte Österreicher:innen schier unglaublich anhört, geschah: die Kommunalpolitik führte eine Bürger:innenbefragung durch und akzeptierte umstandslos die mehrheitlich befürworteten Forderungen.

Die geplante vierspurige Schnellstraße durch ein Naherholungsgebiet am sog. Kroatischen Arm (Seitenarm der Donau) wurde auf Eis gelegt. Stattdessen legte man eine international beachtete Verkehrswende unter Berücksichtigung von Klimaschutz und eines landschaftsplanerischen Gesamtkonzepts hin.

 

Der Stadtteil Petržalka mit 112.000 Einwohner:innen wurde mit einer Straßenbahn ans Zentrum angebunden. Die Strecke erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h (Durchschnitt 31,5 km/h). Zur Hauptverkehrszeit kommt man so im 2 ½-Minuten-Takt in nur 12 Minuten vom äußersten südlichen Ende der Bebauung in die Stadtmitte. An Sonn- und Feiertagen beträgt das Intervall 5 Minuten. (Zaubert Ihnen das auch ein sehnsuchtsvolles Lächeln ins Gesicht?)

2/3 der Wohnbevölkerung nutzen daher gern diese Möglichkeit. Die Strecke ist außerdem vollständig begrünt. 1.500 (!) Bäume wurden bisher gepflanzt. Offene Abschnitte und Bauminseln bis hin zu kleinen Wäldchen wechseln sich ab.

Einen großzügigen Radweg gibt es natürlich auch, und eine Brücke über die Donau wird exklusiv von Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und Straßenbahn genutzt. Ein solcher „Luxus“ ist hierzulande kaum zu fassen! (Man denke nur an die Nibelungenbrücke, wo sogar ein Radweg, der diesen Namen verdient hätte, schon 14 Tage nach seiner Errichtung wieder dem Autoverkehr geopfert wurde.)

 

Es ist höchste Eisen- und Straßenbahn, dass auch Linz mehr Bratislava wird!

 

Hier wehren sich seit Jahrzehnten Bürger:innen-Initiativen gegen den sog. Westring und derzeit aktuell gegen den Abschnitt durch den Freinbergtunnel, der technisch aufwändig und immens teuer ist (siehe Infokästchen). Aber im Gegensatz zu Bratislava werden deren stichhaltige Argumente nicht angehört, und die Forderung nach einer Bürger:innen-Befragung wird mit juristischen Spitzfindigkeiten abgeschmettert. Das letzte Wort ist hier allerdings noch nicht gesprochen, und wir dürfen auf die Entscheidung des Gerichts, die demnächst ansteht, gespannt sein. Die bereits abgeholzten 250 Bäume wird sie allerdings nicht zurückbringen.

 

Fakten und Zahlen zum Straßenbahnprojekt in Bratislava sowie das Foto wurden dem Artikel „Frische Luft in junger Hauptstadt“ von Thomas Naumann entnommen, der im STRASSENBAHN MAGAZIN Ausgabe 3, 2026 erschienen ist.

 

Hier ein paar Fakten zum geplanten Tunnel durch den Freinberg:

 

Die ASFINAG beruft sich darauf, Projekte im Sinne eines „vorsorgenden Umweltschutzes“ und „verantwortlichen Umgangs mit finanziellen Ressourcen“ zu realisieren und die negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs „unter Beachtung von Kosten und Nutzen“ zu reduzieren. Eine solche Kosten-Nutzen-Rechnung im Falle der A26 würde uns alle brennend interessieren. Wo bleibt sie? Leider wird damit nicht aufgewartet, weil diese wahrscheinlich das sofortige Ende dieser abenteuerlichen Geld- und Umweltvernichtung bedeuten würde!

 

Der Freinberg ist kein einfaches Gelände für den Tunnelbau. Lehm und Sand müssen stabilisiert werden. Dazu braucht es zigtausende Stahlrohre, die für immer im Erdreich verbleiben.

 

Während der Bauzeit des Tunnels muss über Jahre hinweg das Grundwasser abgepumpt werden. Negative Folgen für Natur und Häuser sind erwartbar.

 

Knapp 250 alte Bäume wurden bereits gefällt.

 

Etwas mehr als 5 km Autobahn kosten mindestens 1,2 Milliarden Euro. = Jeder Meter kostet mehr als 200.000 Euro!

 

Die Stadt Linz zahlt freiwillig 5% dazu = 60 Millionen.

 

Und wo bleibt der Nutzen?

 

Es gibt keinen. Nahezu 90% der Linzer Straßen werden nach Fertigstellung mit mehr Verkehr belastet als bisher. Die zuständigen Politiker jonglieren mit jahrzehntealten Zahlen und Prognosen, die nie eingetreten sind. Die Linzer:innen werden schlichtweg belogen.

 

 

Für Nachfragen: Gabriele Müller, Tel. 0699 11891206

 

 

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A26 - Was Linz von Bratislava lernen kann
Statt einer vierspurigen Straße wurde in Bratislava für die Aufschließung eines großen Stadtteiles eine Straßenbahn und ein Radweg errichtet
20260324 PA_Was Linz von Bratislava lern
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